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 Archiv

Der Shitstorm-Shitstorm der Woche: 

Pobacken und Tennisbälle

 

Die Zebrastreifengleichstellungsbeauftragte zeigte sich gestern Abend erschüttert 

über die Abbildung dieser drei weiblichen Zebras in einem Naturkundebuch. 

 

Frauen ungefragt von Brücken schubsen war schon immer verboten. 
Ihnen ohne Aufforderung den Hintern zu verhauen, ist bereits ein paar Jahre nicht länger erlaubt und das Tür aufhalten und Hinterherpfeiffen darf man seit letzter Woche Mittwoch nicht mehr. 
In Bälde wird wohl auch das sogenannte „Frauen angucken“ seinen paragrafenbegleitenden Weg in deutsche Strafgesetzbücher finden.
Bis es soweit ist, sind noch einige Befindlichkeiten zu beackern und Mißstände aus dem Weg zu räumen. 
Exakt eine einzige Person hätte sich aufregen können über das Bild, mit dem man eine Ausstellung alter Tennisposter aus den 70ern in Wimbledon bewarb, das eine Spielerin von hinten zeigt, wie sie ihren knappen Rock hoch hebt und sich an den Po fasst:
 
Es wäre die Abgelichtete selbst gewesen. 
Sie hätte sich ja erklären können, ganz im Sinne der Frauenbewegungen. 
„Ich hab nur ne Zerrung gehabt.“ 
„Mir hat das Rektum gejuckt.“ 
Oder aber: „Ich mag meinen Arsch und hey: Mein Freund hat ihn damals fotografiert, der DARF DAS!" 
Aber weil sie gerade für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, dauerte es keinen ganzen Menstruationszyklus, bis der erste Anti-Sexismus-Account auf Twitter das Bild erspürte und zur Strecke brachte. 
Man wäre „enttäuscht“ von den Ausstellern, während andere Spielerinnen ihren Kampf gegen Sexismus im Sport fortsetzen würden. Was wie der Tadel einer Oberschullehrerin klingt, brachte den Aussteller doch tatsächlich zum Einbrechen, doch auch hier war man bei @EverydaySexism nicht zufrieden. 
Ob man versichern könne, dass das Bild auch aus der Ausstellung entfernt wird und nicht nur bei Twitter? 
Was zeigt uns das Ganze: Man muss nur so lange laut genug schreien, bis sich der erste die Ohren zuhält. 
Stattdessen kroch der Veranstalter auf dem Boden umher wie ein zerteilter Regenwurm.
Man entschuldigte sich mit den Worten
„Es ist ein kontroverses Stück Tennisgeschichte, das wir nicht gutheißen.“ 
Worin genau nun die ungeheuerliche Kontroverse besteht, ein aus freien Stücken geknipstes Bild mit einem nackten Po aus den 70ern zu verbreiten und warum man das ganze nicht gutheißt, wo man es doch gerade erst veröffentlichte, vergaß man zu erklären.
Was zur Frage führt, wie weit man sich in die Vergangenheit begeben muss, um auch hier niemandem mehr aufs falsche Geschlecht zu treten. 
Muss sich die Neandertal-Forschung entschuldigen, wenn in ihren Museen Männer abgebildet sind, die Frauen an den Haaren zur Höhle ziehen?
Oder die mittelalterlichen Darstellungen von Hexen auf Scheiterhaufen? Könnte man nicht heute aus Gründen der Gender-Neutralität den einen oder anpassungsunwilligen Supermacho anzünden, um auch hier eine geschichtsübergreifende Gleichberechtigung zu erzielen? 
Oder könnte man dem emanzipatorischen Wut-Tsunami nicht einfach mit dem Argument entgegentreten, dass es sich bei dem POster um eine Fotografie aus einer Zeit handelt, in der man nicht sofort einen weltumspannenden und digitalen Protestlauf starten konnte, nur weil einem der feministische Pups quer saß? 
Es ist halt komplex geworden.
Mann hält Frau die Tür auf: Sexismus.
Mann hält Frau die Tür nicht auf: Auch Sexismus, aber irgendwie anders. 
So richtig raus aus der Sache kommt nur, wer sich als Verbündeter der Frau outet, danach zieht man gemeinsam am Türgriff und kann eintreten in das Land der Dauerempörten. 
Und da hängen dann auch garantiert keine Tennisposter aus den 70ern. 
SG
 

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