Zombiequarium Teil 7: Davon ausgehend, dass der 21.12.2012 nicht ganz ohne Geschrei und Gepolter abgehen wird und auch der eine oder andere nicht ganz rund gekaute Fingernagel für erhöhte Verletzungsgefahr sorgen dürfte, empfiehlt die Modebranche das Jackenmodell "Hab-mich-lieb", um im Armageddon verletzungsfrei zu Tode zu kommen.
Mittlerweile steht fest: Das Armageddon ist ein weltveränderndes Ereignis!
Wenn ganze Kontinente ins Meer rutschen oder ein zu groß geratener Gesteinsbrocken völlig humorlos auf nichts ahnende und vor sich hin existierende Landmasse klatscht, dann wird auch dem letzten Knispel klar: Jetzt ist Schluß mit lustig und mit Croissants zum Frühstück sowieso.
Es bleibt einem nicht mehr übrig, als gepflegt in nicht enden wollendende Panik auszubrechen und so was zu schreien wie: "Ach hätte ich mich doch bloß besser vorbereitet!"
Man kann dann ruhig tun, was alle machen: Die Arme nach oben reißen, im Kreis laufen und hoffen, dass es schnell vorüber geht.
Wer jedoch dem ganzen Schlamassel mit ein bisschen mehr Würde begegnen möchte, muss Vorkehrungen treffen.
Doch das wird nicht einfach sein.
Kollektiv wird europaweit der Frühling herbeigesehnt, damit man sich nicht mehr abends vor der offenen Kühlschranktür aufwärmen muss. Da passen prognostizierte Erdspalten, in denen ganze Hauptstädte verschwinden, leider nicht zum frommen Wunsch nach Plusgraden und Grillwetter. Auf breiter Front werden Endzeitberichte in hochseriösen Wissenschaftszeitungen wie BILD und BUNTE gleichermaßen geleugnet wie die esoterischen Weissagungen kartenlegender schwäbelnder Hausfrauen auf zweistelligen Sendeplätzen.
Einhellig erhärtet sich die Meinung:
"Die Mayas müssen sich geirrt haben, die hatten ja nicht mal Taschenrechner!"
Dabei tut doch gerade die Industrie alles, um uns sensibel Richtung Apokalypse zu schubsen. Wer dieser Tage durch die Drogeriemärkte streunt, kommt nicht umhin, an der "Maya Mystery"-Edition von Lenor vorbeizustolpern.
Im malerischen Sonnenuntergang prangt die südamerikanische Pyramide auf dem Weichspüler-Etikett, wo noch vor wenigen Wochen ein blauer Plüschbär herrlichen Frühlingsduft versprach.
Schon aus reiner Neugier müsste man damit mal seine Kluft durchschleudern, um eine Ahnung davon zu bekommen, wonach der Weltuntergang so riechen könnte.
"Frisch wie ein Tsunami" wäre ein möglicher Slogan und würde auf eine ausgeprägte und gulliüberschwemmende Dezemberflut hindeuten. Einen Gang weiter wird dies allerdings schon wieder in Zweifel gezogen, wenn Axe mit seiner "2012 Final Edition" klarmachen will, dass das Ende aller Zeiten nur wohldeodoriert zu ertragen ist, ein Beleg dafür, dass vermutlich ein Vulkan ausbricht und wir beim Weltuntergang alle schwitzen wie Schweine im Pelzmantel.
Lediglich ausgerüstet mit einer Flasche Weichspüler und einer Deo-Dose wird man den Weltuntergang jedoch nicht aufgehübscht über die Bühne bekommen.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass die drogerieherstellende Bagage lediglich am Mehren des schnöden Mammons interessiert ist, statt uns mit ordentlichen Produkten das globale Ableben zu erleichtern.
Darüber wird vergessen, dass der Weltuntergang von olfaktorischer Seite betrachtet vermutlich kein Strandspaziergang werden dürfte. Gleich welches Szenario wir wählen: Es wird stinken wie die Pest, Deo hin, Weichspüler her. Nun wäre ich der letzte, der den Menschen vorschreiben möchte, die Apokalypse transpirierend in einem kratzenden Rentierpulli zu verbringen, aber für das flauschige Weltuntergangsgefühl dürfte ja wohl auch jeder andere Weichspüler geeignet sein.
Wir sollten uns also wirklich wichtigen Themen widmen, zum Beispiel:
"Was ziehe ich eigentlich an?"
Sich für den Untergang des Planeten was passendes aus dem Kleiderschrank zu suchen, dürfte die letzte ultimative Herausforderung der Menschheit sein.
Manche werden nackt gehen, die einen aus religiösen Gründen und die anderen, weil sie sich denken: Komm, wird vermutlich eh recht warm.
Diejenigen, die sich doch was überwerfen wollen, führen verheerende Dialoge:
"Schatz, lieber das mit den Sphagettiträgern oder doch eher das lange Schwarze?"
"Ist das nicht egal, wenn nachher eh alles verbrennt?"
Schneller bekommt man nirgends seinen ganz persönliches Armageddon.
Man muss sich schon die Frage stellen, warum die textilherstellende Branche den Trend noch nicht erkannt hat.
Sicher, es gibt bereits heute das ein oder andere Kleidungsstück, mit dem man apart der Apokalypse entgegentreten kann. Auf den Pferderennbahnen der Republik oder wenn mal wieder ein Adelskrönchen heiratet, da tragen nicht wenige Frauen Kopfbedeckungen von einem Ausmaß, das zwar vielleicht nicht in der Lage sind, einen Kometen von seiner erdvernichtenden Umlaufbahn zu lenken, dafür aber durchaus einige dicke Gesteinsbrocken abwehren dürfte.
So kann sich die Dame in Sicherheit wähnen und sieht dabei recht schick aus.
Das männliche Äquivalent zum Pferdehut ist natürlich der Bierhelm. Sturzbesoffen lacht man so dem Inferno ins Gesicht: Man ist nach sämtlichen DIN-Normen gut gerüstet für den letzten Gang und hat keine Kopfschmerzen.
Doch auf dem Reissbrett der Modedesigner muss in den nächsten Monaten noch einiges erdacht werden: So fehlt für zarte Frauenfüße ein überschwemmungsresistenter hochhackiger Gummistiefel. Mit nassen Füßen abzudanken, das gibt wieder nur Geschrei. Und für den Herrn brauchen wir noch etwas um die T-Shirts zu verdecken, die am 21.12.2012 garantiert mit seltendämlichen Sprüchen wie Kein Komet kann MICH aufhalten vollgekleistert sind. Hier wäre ein feinfaseriger Asbestmantel die Erfindung der ersten Wahl, um die Testosteronträger vor überschnellem Abbrennen zu schützen.
Doch was, wenn es letztlich der persönlichkeitsverändernde Virus sein wird, der um sich greift und Untote die Welt erobern, die keinen Platz lassen für modebewußte Vegetarier?
Nun, wir hätten hier noch den Unisex-Nieten-Gütel "Zombieklatsch" von Lagerfeld.
Das ist Armageddon mit Nutzen und Geschmack, Leute!
In 44 Wochen ist Weltuntergang.
© 13.02.2012 Sascha Gerson
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Kommentare: 6
Günni (Montag, 13 Februar 2012 19:51)
:-D
Ich kann`s kaum noch erwarten, am 21.12. diese ganzen unvorbereiteten Spasten in ihren Untergang rennen zu sehen.... Wie gut, daß es diesen Blog hier gibt, meine Wunschliste Deiner überaus nützlichen Ausrüstungsgegenstände bei Amazon wird immer länger ^^
pennys-wochenrueckblicke (Montag, 13 Februar 2012 20:05)
Nabend Günni. Dann wirst Du Dich über den nächsten Text noch mehr freuen, glaub mir ;-D
honeybloom (Freitag, 24 Februar 2012 16:25)
Schön, spritzig, fetzig, charmant...und viele positive Adjektive mehr :D
Günni (Samstag, 25 Februar 2012 13:29)
Ich freu mich noch immer auf #143 :-)
pennys-wochenrueckblicke (Dienstag, 28 Februar 2012 10:14)
Neuer Text ist in Arbeit, im Moment organisier ich ein bisschen was für die Lesung am 15.03. :-)
Günni (Donnerstag, 01 März 2012 17:10)
*freu*
Wollt Dich nich drängen, Gut Ding braucht Weile ;-)
Habs mir schon fast gedacht, dass Du in Vorbereitungen steckst
Grüsse