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140: Und vor dem Armageddon,
da melk' ich noch ne Kuh!

Zombiequarium Teil 5: Auf der Liste der 100 symphatischsten Clowns, mit denen man gerne mal einen sahnegekrönten Kakao trinken geht ... äh ... steht dieser gar nicht drauf. 



Listen, was würden wir ohne sie tun?
Der verkäuferische Drang, Sinnlosigkeiten unterschiedlichster Ausprägung  zwischen zwei Buchdeckel zu pressen, auf dass der Leser an verherbsten Sonntagnachmittagen in ihnen nachschlagen und sich weise fühlen möge wie ein kauziger, lexikonstudierender Sonderling, er ist ungebrochen.


'Die einhundert ulkigsten Rentnerwitze', 'Siebzehn Gründe, sich nicht in einen verheirateten Schwertschlucker zu verlieben', 'Die fünfzig ekligsten Dinge der Welt (von denen 37 auf australischen Speisekarten stehen)', kein Titel ist der baumvernichtenden a.k.a. papierproduzierenden Branche arschipupsig genug, als dass man sich dafür schämen würde, ihn in einer Buchhandlung feilzubieten und ein Preisschild draufzukleben.
Statt diese Ansammlung sperriger Informationsbrocken, die in ihrer Gänze wichtige Gehirnareale von vernünftiger Denke abhalten, in der Buchhandlung in die Nähe der "Dramen" zu rücken, wo sie hingehören, findet man sie stets nicht unweit der Humorabteilung und das vermutlich einzig und allein aus dem Grunde, weil sich die Autoren der Machwerke jedesmal kaputtlachen, wenn ein Konsument strunzblöde vor der Listenliteratur steht und denkt: "Die einhundertdrölf schönsten Klopapierdesigns, da wird die Inge aber Augen machen, wenn sie das auf dem Geburtstagstischchen drapieren kann."


Man schleppt dann das Buch nach Hause, natürlich lässt man es einpacken in Buchhandlungs-Standardpapier, bei dem man sofort erkennt, wo es herkommt, mottolike:  wenn man schon beschissen schenkt, muss sich die Hülle dem Inhalt anpassen.

Inge ruft "ACH, WIE SCHÖN!", weil das die einzige friedenstiftende Alternative zur sofortigen Hinrichtung des Schenkers darstellt und alsbald versauert der Chronoschinken ungelesen im Ikea-Expedit und wartet dort auf sein Urteil:

Tod durch Altpapiercontainer.


Woher ich das alles weiß? Aus dem Buch '1.325 Ideen, wie man einen Wochenrückblick beginnt'.

Steht bei mir im Bücherregal.
Und direkt daneben mein zweites einziges Listenbuch, dass ich besitze:
'101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist.'
Wo ich jetzt darüber nachdenke und durch das brackige Wasser meines Erinnerungsbrunnens wate, meine ich, seinerzeit im Schmöker-Shop aus weiter Entfernung ein wildes Gegacker gehört zu haben, als die Kassiererin meine EC-Karte durchzog.
'101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist. '
Mensch, dachte ich damals.

Jetzt aber husch.

101 Dinge, das ist ja auch nicht gerade wenig. Da muss ich mich ranhalten, gut dass ich das Buch mit Anfang 30 entdeckt hab und nicht mit Mitte 90.


Schriftlich werde ich aufgefordert, einem Tornado hinterherzufahren, mich auf die Datumsgrenze zu stellen und mir ein Lokalverbot einzuhandeln. Was man halt so macht, wenn man den lieben langen Tag nix mit sich anzufangen weiß. Damals im Buchladen kam mir das alles schon recht schlüssig vor. Astronomie pauken, bis ich den Nachthimmel lesen kann: Was in der Bücherstube arg romantisch daherkam, wurde zur Tortur, als mein Orthopäde mir die Nackenstarre rausmassieren musste.
Immerhin: ich hab schon zwei Sachen durch. ('ne Website ins Netz stellen und auf einem Rockkonzert ins Publikum springen). Bei Erledigung diverser vermeintlich sinnstiftender Aufgaben kann man ein buntes Sternchen oben rechts auf die Seite kleben und...ja, und dann?
Bis heute stelle ich mir die doch recht unverblümte Frage, welcher kranke Suppenkaspar mir die Schelle ans Ohr gehalten hat, dass ich geistig dazu in der Lage war, mir solch ein Stück ISBN zu kaufen.


Als 'gebraucht' verticken kann man die Schwarte auch nicht, fehlen ja schon zwei Einklebesterne, das treibt den Preis nicht gerade nach oben. Also landete die Lektüre im Regal.
Doch vor zwei Tagen entdeckte ich sie wieder.
Mich überfiel Panik.
101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist.
Unser aller Leben endet schließlich am 21.12.2012.

Ich riss das in Sekundenschnelle vom Grabbeltischbuch zur Weltlektüre aufgestiegene Stück Literatur aus dem Regal, voller innerer Unruhe wurde mir klar, wieviel Zeit ich vergeudet hatte mit den Nichtigkeiten des Alltags, ich reckte das Werk in die Höhe und stieß heilige Schwüre Richtung Zimmerdecke, dass ich die letzten 324 Tage bis zum Inferno sinnstiftend zu vollbringen gedenke, dass ich dieses Buch irgendwo aufklappe und genau DAS tue, was dort steht, denn sonst läuft sie mir davon, die Zeit.
Ich klappe also das Werk auf und...

"Melke eine Kuh!"

Aha.
Die ganze Menschheit wird im Dezember kollektiv den Löffel abgeben und ich soll ein graskauendes Ungetüm um seinen Laktosesaft erleichtern.
Konsterniert schmeisse ich 101 Dinge, die man getan haben sollte, wenn man auf einem Bauernhof lebt in die Ecke.
Man wird nachdenklich. Besinnt sich auf Filme, die man in der Vergangenheit gesehen hat, in denen Menschen auf Sterbebetten lagen, den Odem des Lebens aushauchend, es gibt derer Streifen ja recht viele.
Ich versuchte wirklich, mich zu erinnern, ob da je ein Akteur dabei war, der raunte:
"Ich habe soviel im Leben erreicht, ich habe ein Drogenimperium aufgebaut und dank mir, Giovanni, ist die halbe Jugend von New York auf Crack, aber das alles ist nichts wert, weil ich nie im Leben eine Kuh gemolk...weil ich nie eine Kuh gemo....rrrrrrgh!"
Gab es solche Filme?
Man wird noch nachdenklicher.
Warum eigentlich nicht?
Melken wir eine Kuh, wo ist hier die nächste Wiese? Wo ist die Stichsäge, mit der ich meinen Bürostuhl in einen Melkschemel transformiere?


Es setzt sich folgende Erkenntnis durch: Wenn wir am 21.12.2012 wirklich allesamt verglühen, ersaufen oder sonst wie um unsere Gesundheit gebracht werden, was um alles in der Welt spielt es dann noch für eine Rolle, was wir bis dahin tun? Der preisgekrönte Hortensienzüchter wird sich ebenso in seine Bestandteile auflösen, wie der, der die letzten Monate an von Hunde-Urin besprenkelten Gänseblümchen riecht.
Zahnseide am Abend ja oder nein, Gurke vom Burger runter oder draufbleibend:
Die Mayas machen da keinen Unterschied.
Aber wenn der ganze Globus glüht, wenn alles niederbrennt oder riesige Raketenwürmer den Planeten von innen auffressen oder ein riesiger Tsunami für mehr als feuchte Keller sorgt, wie auch immer wir letztlich untergehen, eines lässt mich lächeln:

Die Listenbücher gehen mit...

In 46 Wochen ist Weltuntergang.  

 

© 31.01.2012 Sascha Gerson

 

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Kommentare: 2

  • #1

    Günni (Dienstag, 31 Januar 2012 20:42)

    Suche grad nach Büchern wie "1 Möglichkeit den Weltuntergang zu überleben" oder "Über 80 Millionen Ursachen warum Deutschland eh vor die Hunde geht"
    :)

  • JimdoPro
    #2

    pennys-wochenrueckblicke (Mittwoch, 01 Februar 2012 08:13)

    Ich hätte hier noch den Bestseller "17 Kommentare, mit denen man Stammleser bei Laune hält". Ich such den schönsten raus :-D

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