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139: Früher war alles besser,
the Revenge of the Telefonzelle!

Zombiequarium Teil 4: Ist der Planet erst mal hinüber, muss mancher Kassenpatient sich selbst akupunktieren. Klappt nicht immer. 

 

Okay, nehmen wir an, die Welt geht am 21.12.2012 doch nicht unter.
Sagen wir, ein Mann namens Felipe Desiderio Sanchez Delaguardo Pacorro Esperanto de La Varga - kurz Pepe - hat dereinst bei sengender Schwitzehitze und mit einem Stock bewaffnet im Schatten des Mayatempels gesessen und am Armageddon-Kalender herumgewerkelt, Zahlen in den Sand kritzelnd, Feiertage einbauend, sich unheimlich schlau vorkommend.
Gerade als Felipe Desiderio Sanchez Dela...also, gerade als Pepe sich dranmacht, den Kalender zu vollenden, läuft vor seiner Nase Guadelupe Carmen Isaura Orbita Rosario Pillar de la Soita - kurz Brigitte -  augenzwinkernd an ihm vorbei, einen Topf voller Reis auf dem Kopf.
Pepe rutscht mit seinem Ast aus und das Kalenderende wird versehentlich um 2.548 Jahre vorverlegt.

Solcherlei Irrtümer gab es ja immer wieder, aufgrund diverser Kommafehler galt ja auch mal Spinat lange Zeit als schwer gesundheitsfördernd, mittlerweile steht die grüne Pampe auf einer Stufe mit Ritter-Sport-Nougat.
Sich beim Ende der Welt also auf eine Hochkultur zu verlassen, die ja nun schon seit einiger Zeit nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form existiert,ist ein bisschen gefährlich.
Denn ganz ehrlich, woher sollten die Mayas das alles wissen?

Die hatten ja nicht mal W-Lan!
Man möchte fast in seine Zeitkapsel steigen und zurück düsen durch die Jahrhunderte, nur um neunmalklug schauend aus der dampfenden Stahlkugel auszusteigen und "Wer macht EUCH denn bitte zum Experten?!" zu rufen und danach wieder lachend abzuschwirren.

Wenn nun der Globus auch nicht untergeht, so wird sich eines irgendwann definitiv dem Ende neigen und das sind unsere Ressourcen:

Erdöl, Silizium, Gold, alles irgendwann auf Null.
Wann immer dieser Tag auch kommen mag, eines ist gewiss: Wir werden ziemlich blöd aus dem Fenster gucken. Von heute auf morgen wird der Fortschritt ein Ende haben, Technikmessen, auf denen elementare Dinge wie Handkurbelradios oder digitale Kaninchen vorgestellt werden, die Twittermails verlesen, sie werden verschwinden im Lokus der Rohstoffknappheit.
Da unserem Planeten an sich der Aderlass letztlich ziemlich wurscht sein dürfte nach dem Motto "Jetzt seht mal zu wie ihr klar kommt", wird Mutti Erde noch ein bisschen durchs All rotieren und mit Belustigung beobachten, wie die halbe Menschheit apathisch in der Bude hockt und digitale Gadget-Entzugserscheinungen bekommt.

Doch die produzierenden Firmen werden sich zu helfen wissen, man will ja weiterhin den Mammon einsammeln. Es gilt fortan, abgelegten Plunder an Frau und Mann zu bringen und dem Elektroschrott-Hof einen Besuch abzustatten.
In einer weltweiten Fernsehübertragung werden wir alle wie einst in Men in Black übelst geblitzdingst: Wir verlieren den Teil unseres Gedächtnisses, der sämtliche Erinnerungen an technischen Schnickschnack endgelagert hat.


Gehirnformatiert sitzen wir dann Tage später vor der Leuchtstoffröhre und sind völlig fasziniert nicht nur von dem blinkenden Bildschirm vor uns, sondern auch, was dort in der Werbung präsentiert wird, eine Errungenschaft namens Telefonzelle. Schicke gelbe Kontaktaufnahme-Klötze werden überall in der Landschaft aufgestellt.

Irres Teil.

Die ganze Stadt mit ALLEN Telefonnummern in einem kulturhistorisch daherkommenden und zerflederten Brocken namens Telefonbuch. Man kann in die ganze Welt hineinrufen, verbunden mit einem robusten Edelstahlkabel und zwar ohne Kreditkarte, stattdessen mit echten Münzen.

Sicherer geht es kaum noch.

Endlich gehören sinnlose Telefonate, die früher der nur um die Anzahl der Schwerhörigen reduzierte Personennahverkehr in allen Details mitbekam, der Vergangenheit an. Wer erstmal drei Kilometer bis zu nächsten Schnatterkasten latschen muß, der wird sich Gespräche ala "Ich bin gleich zu Hause, setz schonmal die selbstgesammelten Pilze auf den Herd" dreimal überlegen.  
Die neuen gelben Quasselzellen sind schalldicht nach außen hin und - leider, leider -  frischluftverschlossen nach innen. Telefonieren wird von nun an gerade in Sommermonaten als schweißtreibende Angelegenheit betrachtet und sie wird zur potentiellen Todesfalle für die, die zu spät bemerken, dass der Vorsprecher Kommunikation und Blasenentleerung auf zeitgewinnbringende Weise verknüpfte. Erste Opferzahlen werden mit der nächsten Erfindung gekontert. Vorbei sind die Zeiten unsichtbarer Töne und Noten. Schluß wird sein mit Tonnen von Musiktiteln, die man auf verschluckbaren USB-Sticks transportiert, die man schneller verliert als ein Dschungelcampbewohner seine Menschenwürde. Ab jetzt gibt es Musik zum Anfassen auf großen runden schwarzen Scheiben, für die Brillenträger unter uns mit einem riesigen Cover. Wer seinen Musikgeschmack zwischendrin wechselt, kann aber die neueste Patrick-Lindner-Schallplatte auch prima im Freibad als Frisbee zweckentfremden.


Um weite Entfernungen zurückzulegen, braucht man nicht mehr seine Füße, sondern kann auf ein Gefährt namens Kutsche ausweichen. Es wird natürlich nicht lange dauern, bis der neureiche Nachbar damit beginnt, mit zwei Pferden mehr zu protzen, dafür kann man ihn dann aber auch schön bei der Polizei anschwärzen, wenn das Prollfuhrwerk Samstagmittag in der Stalleinfahrt gereinigt wird. Zossen-Köttel im Grundwasser, das geht mal gar nicht.
Die Freizeitgangster werden natürlich goldverchromte Räder draufpimpen und als Radioersatz gibt's nen vom Arbeitsamt organisierten Bushido-Ergänzungsrapper, der für kleines Geld auf dem Karren frauenfeindliche Texte rappt. Nur das Klepper-Gespann zum Takt hüpfen zu lassen, wird ein bisschen schwierig.
 

 

Trotz aller Geblitzdingsheit werden einige von uns innerlich spüren, dass sie in der guten alten Zeit angekommen sind. Wir lassen uns mitreissen von irrer Vier-Farben-Blockgrafik des guten alten Atari 2600, futtern selfmade-gebuddelte Sieglindekartoffeln aus der Region (die Sternfrucht muß nun mangels Flugzeugtransport in ihrem Herkunftland vertilgt werden) und das Kaminfeuer erlebt eine nie für möglich gehaltene Wiederauferstehung in einer Welt voller brachliegender Heizungskörper.
Da man sich in Ermangelung sämtlicher Herstellungsmöglichkeiten für ausgefeiltes Kriegsgerümpel nun auch nicht mehr in der Lage sieht, sich gegenseitig die Bomben auf den Schädel zu schmeißen, wird der Planet zu einem extrem friedlichen Ort und so läßt es sich vor dem Grammophon/in der Telefonzelle/vor der Atarikonsole ziemlich bequem aushalten...bis 2.548 Jahre später der Maya-Kalender dank Pepe's Berechnung wirklich zu Ende geht.

In 47 Wochen ist Weltuntergang...also...vielleicht!

 

© 23.01.2012 Sascha Gerson

 

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Kommentare: 2

  • #1

    Günni (Montag, 23 Januar 2012 21:54)

    Ach ja, die gute alte Zeit....
    Aber der Brüller hier is ja "kurz Brigitte" :) Auch die Bildunterschrift zu obigem, nicht jugendfreien Bild is amüsant :-D

    Dieses Szenario wäre aber durchaus denkbar.

  • JimdoPro
    #2

    pennys-wochenrueckblicke (Dienstag, 24 Januar 2012 08:09)

    Guten Morgen Günni :)
    Die "Brigitte" ist mir tatsächlich erst kurz vor 'Redaktionsschluss' noch eingefallen :-D
    Eigentlich sollte 'Pepe' nur die Parodie auf elendig lange spanische Namensketten sein und Brigitte kam dann noch als Groteske hinzu.

    Hmm...wegen dem Bild...meinst Du, ich sollte meine Seite mal bei der FSK einreichen? ;-)

    Dass dieses Szenario denkbar ist, hat ja 2008 der Spiegel schon mal durchexerziert.
    Flugreisen sind z.B. nicht mehr möglich. Wer also noch schnell nach Timbuktu oder Grönland will, muss das schnell erledigen :)

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