Zombiequarium Teil 1: Rüdiger aus Norderstedt, Besitzer eines Kiosk bei Hamburg, war vor dem Weltuntergang ein recht friedlicher und fischfrikadellenverkaufender Geselle, bis der 21.12.2012 ihn ein bisschen aus der Fassung brachte.
Seitdem verarbeitet er seine maritimen Produkte lieber selbst...mit Kettensäge und Fleischermesser.
Draußen zerrt der Wind an der Jalousie und sagt: So pustet es beim Weltuntergang.
In immer gleichen Abständen kommentieren pessimistische Hobbymeteorologen an ihren Fenstern vorbeiziehende Schlechtwetterfronten mit dem Spruch:
"Da draussen geht die Welt unter" und nicht wenige sind enttäuscht, wenn am nächsten Morgen noch genug Straße da ist, dass man zur Arbeit fahren kann.
Aber dieses Jahr ist alles anders, diesmal passiert es wirklich mit allem Pi-Pa-Po und sämtlichem Schnickschnack.
Wobei, naja.
Eigentlich geht am 21.12.2012 nur so ein oller südamerikanischer Kalender zu Ende, erstellt von Leuten, die man leider nicht mehr fragen kann, was sie sich denn damals fiebriges erdacht haben im Schatten des Mayatempels.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit machen wir am Tag nach dem mutmaßlichen Armageddon das 22. Törchen auf und stopfen uns ein LDL-Wert-erhöhendes Schokostückchen in den Mund.
Gefrustet werden die Männer murmeln:
"Scheisse, doch kein Weltuntergang. Jetzt muß ich noch Geschenke kaufen."
Mit niedriger Wahrscheinlichkeit geht die Erde am 21.12.2012 wirklich unter.
Weil die Mayas doch Recht hatten.
Oder weil an dem Tag zufällig eine Armada von Kampfraumschiffen von Nixloshier-V unseren Planeten in Schutt und Asche legt. Vielleicht auch, weil alle Chinesen ihre Fahrradklingel gleichzeitig betätigen.
Fest steht: Es wird nicht ohne Geschrei abgehen.
Innerhalb von Sekunden führt Facebook den lang ersehnten "Gefällt mir nicht"-Button ein und Ingeborg Wagenfurts Statusmeldung 'Vulkan im Garten, Hortensien im Arsch' kassiert 23.587 Dislike-Klicks, bevor die Lava ihre VDSL-Leitung zerbröselt.
Weltuntergangsprohpheten fallen "Hab ich doch Recht gehabt!"-jubelnd in brennende Felsspalten, wo eben noch die Tittentasterstraße war.
Wer nicht glaubt, dass es die Tittentasterstraße gibt, kann noch schnell bei Google schauen, sollte dies aber bis Dezember von seiner To-Do-Liste streichen, sonst stirbt man dämlich.
Doch gibt es Vorzeichen?
Nicht wenige bibeltreue Gesellen halten ja immer noch Ausschau nach vier apokalyptischen Reitern, humorbefreite Gesellen, die anorektisch auf ihren Ponys dahergeritten kommen und uns so bildhaft vermitteln wollen:
Tja, das wars jetzt, Handyvertrag verlängern lohnt nich mehr.
Nein, wir müssen schon genauer hinschauen, am besten gucken wir bei Youtube nach.
Dort sah ich vor einigen Tagen eine Frau, die so gar nicht anorektisch daher kam und selbst von ihren 145 Kilo schweren Freundinnen als 'etwas zuuuu wohlgenährt' bezeichnet werden dürfte.
Maria Amjad sehen wir dort, die bei "Mitten im Leben" getarnt als Scripting-Darstellerin ihr Dasein fristet, bis die große Sause im Dezember losgeht.
Sie spricht dort über ihr Essverhalten, manchmal stecke sie sich fünf Bomboms in den Mund - sie spricht es nicht aus wie Bong, sondern wirklich wie Bom - wegen dem Geschmack und wenn man ihr das Essen wegnehme, dann würde sie sich auch Klopapier in den Mund stecken, dazu ein Kakao, hmmm lecker.
Nun stellt sich die Frage, wenn da ein Mensch ist, der im Rausche des Hungers nicht davor zurückschreckt, bunt bedrucktes Zellstoffpapier zu vertilgen, warum sollte so jemand Halt vor größeren Dingen machen?
Warum sollte Maria Amjad nicht DER apokalyptische Reiter sein, der Australien auffrisst?
Schön an der Küste anfangen, als Vorspeise Neuseeland, dann rein ins Landesinnere und die Aborigines zum Nachtisch. Nebenher der Kängurusalat und als Hauptspeise der Ayers Rock - weg ist der Kontinent. Einfach ein bisschen Kakaopulver drüber, dann mundet auch der Nordstrand mit den giftigen Würfelquallen.
Wer das nun für allzu abwegig hält, der frage sich, ob er bis gestern daran geglaubt hätte, dass sich Menschen vor eine Fernsehkamera setzen und behaupten, sie würden Klopapier essen, gescriptetd hin oder her.
Der nächste apokalyptische Reiter ist vermutlich Toni Ailton, der als Gewinner des Dschungelcamps von Felix Magath als DIE Hoffnung zum VFL Wolfsburg geholt wird und aus dem Busch ein tödliches Fieber mitbringt, das drei Viertel des europäischen Kontinents ausradiert.
Zeitgleich wird beim Supertalent der nächste Gewinner gesucht und nach
Mundharmonika-Manni und Panflöten-Paule gewinnt - ach was für ein Zufall - in dieser Staffel Jörg Jericho mit seiner lustigen Trompete, die dank Modifikationen Schallwellen erzeugt, die Kanada, Grönland und halb Amerika im Meer versenken.
Da uns RTL bis dahin bereits drei Viertel des Weltuntergangs eingebrockt hat, müsste nach dem Gesetz der Serie der Vierte Reiter bei DSDS gekürt werden, aber vielleicht ist es ja doch Bundespräsi Christian Wulff.
Zumindest weiß er was.
Warum sonst sollte er so verzweifelt im Amt bleiben wollen?
Vermutlich will er sich das jüngste Gericht schlicht und einfach lieber vom Balkon des Schloß Bellevue anschauen, als von der Terrasse seiner freundfinanzierten Klinkerhütte.
Und wie sagte er neulich?
"In einem Jahr werden die Leute den Stress um meine Person vergessen haben."
Ja klar: Weil die Menschen dann damit beschäftigt sind, aus glühenden Felsspalten hervorzukriechen.
In 50 Wochen ist Weltuntergang.
© 09.01.2012 Sascha Gerson
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